Berg-Menschen

Richi Lehner - der Bergretter

Der Zermatter Richi Lehner, 41 und zweifacher Familienvater, ist passionierter Bergführer, Ausbildner von Bergführern und Bergrettungsspezialist. Zusammen mit seinem Kollegen, dem Air Zermatt-Pilot Daniel Aufdenblatten hat er 2010 in Washington den „Nobelpreis“ der Lufttfahrt, den amerikanischen Heroism Award erhalten.

 

DER HÖHENREKORDLER

Weil in Nepal wenig Erfahrung mit Helikopterrettung vorhanden ist, wurden wir mehrmals für Rettungen in den Himalaya gerufen. Meist kamen wir zu spät. Deshalb lancierten wir die Ausbildung von Heli-Bergrettungskräften in Nepal. Als im Frühjahr 2010 ein Notruf aus der Annapurna-Nordwand kam, überlegten wir: 7000 Meter, so hoch wurde noch nie eine Helikopter-Rettung durchgeführt. 

Alleine der Anflug von Katmandu ins Tal dauerte zwei Stunden. Dann kam Nebel auf, Zwischenlandung für die Nacht war angesagt. Tags darauf flogen wir ins Basislager auf 4200 Meter. Der Wind war aber viel zu stark. Ich hänge ja an einem 30 Meter langen Seil am Helikopter und werde so in die Wand geflogen, und das alles mit Sauerstoffmaske.

Beim ersten Anflug pendelte ich so stark, dass wir abbrechen mussten. Beim zweiten Anflug konnte ich absetzen, aber ich war vom Sauerstoff her, Daniel mit der Leistung des Helikopters im roten Bereich. Wir mussten erneut abbrechen.

Nun wussten wir aber, dass es grundsätzlich möglich ist. Wir entfernten allen unnötigen Ballast, flogen mit nur 10% des Kerosins und beim dritten Anflug konnten wir dann jeweils einzeln die schwerverletzten Bergsteiger an die Leine haken und ausfliegen.

 

DER ENTWICKLER

Inzwischen haben wir Geldgeber gefunden und eine Foundation gegründet. Innert drei Jahren wollen wir die Nepalesen in die Lage versetzen, selber Bergretter auszubilden. Zudem haben wir ein neues Projekt „Flying Doctors“ lanciert. Das soll dazu beitragen, die medizinische Versorgung der Bevölkerung in abgelegenen Tälern zu verbessern.

 

DER DEMÜTIGE

Viele Gerettete sterben auf dem Weg ins Spital. Am schlimmsten sind solche Erlebnisse mit Kindern. Das macht einen schon nachdenklich. Trotz Technik bleibt der Berg gefährlich.

Und trotzdem bleibt die Faszination der Berge erhalten. Jeder Tag, jeder Berg ist anders. Es ist das Spüren der Natur, von seinem eigenen Innersten. Es macht einen bewusst, wie klein der Mensch ist. Das macht demütig und gleichzeitig zufrieden!

 

 

Alex Perren - der Gastgeber

Woher wir kommen, wohin wir gehen und wie wir den weg dazwischen meistern, Alex Perren mit einem berührenden Rückblick auf 80 Jahre Leben, der Liebe zu den Menschen und zum Gastgeber-Sein. 

 

DER BESCHEIDENE

Mütterlicherseits stamme ich (Jahrgang 1933) vom Erstbesteiger des Matterhorns Peter Taugwalder ab. Die Taugwalders waren wie die meisten Bergbauern so arm, dass sie sich die Tabakpfeife nicht mit Tabak, sondern mit Heublumen füllten. Das Getreide musste manchmal geschnitten werden, bevor es reif war, weil die Kinder Hunger litten. Mein Vater starb sehr früh. Die Mutter stand um halb Vier morgens auf, um die Kühe zu füttern. Als 5-6-jährige Burschen gingen wir 5 Uhr morgens mit, halfen Wasser tragen. Wir halfen überall mit. Die Schule dauerte nur 6 Monate, der Sommer diente dazu, den Speicher mit Brot, Wurst und Speck, den Keller mit Käse zu füllen. So hatten wir im Keller an die 40-50 Laibe Käse, die uns den Winter durch ernährten. Nicht einer wurde verkauft. Oft hatten wir dreimal am Tag die gleiche Polentasuppe. Das Leben war einfach und hart.

Wir waren die letzte Generation, die zu 100% redlich von der Landwirtschaft lebte. Andere spielten bereits Tennis. Wir stiessen Handwagen mit Holz zu Fuss durch die Strassen. Weil jeder Winter die Erde in den steilen Hängen wieder „hinunterspülte“, trugen wir frühjahrs Körbe mit Erde die Berghänge hoch, um dort wieder Getreide anzupflanzen, Mit 6-7 Jahren stiegen wir, zwei Buben, in der Zwischensaison zweimal am Tag 500 Höhenmeter mit dem Handwagen in die Sunnegga hoch, um 50-60kg Heu zu holen, das nachher von Hand gedrescht wurde. Gelernt wurde im Kerzenlicht abends! 

 

DER BEGEISTERTE

Anfangs der 50er Jahre setzte dann richtig der Tourismus ein. Ich liebte die Touristen, hatte von klein auf Freude an den Menschen. Mit 15-16 Jahren kletterte ich sonntags die Berge hoch, pflückte Edelweiss. Es gab ganze Felder von Edelweiss. Ich füllte meinen Rucksack und verkaufte diese. Gäste fragten mich. „Was kosten die?“, ich antwortete „Was Sie wollen.“ (lacht) So konnte ich der Mama jeweils 15-20 Franken dazuverdienen. 

Mit 18 Jahren wurde ich erstmals gefragt, ob ich als Skilehrer eine Woche lang amerikanische Gäste begleiten würde. Ja selbstverständlich! Da lernte ich in einer Nacht die wichtigsten Ausdrücke aus einem Dictionnaire (lacht). Von da an nahmen die Dinge ihren Lauf. Ich war der jüngste Skilehrer, nicht mal Mitglied der Skischule. Die Leute liebten mich, alles lief wie am Schnürchen, ich hatte den ganzen Winter Privatkundschaft. Ich  begleitete meine Gäste nach Gstaad, St. Moritz, Lech. Das Gleiche als Bergführer. Ich war voll ausgebucht. Manchmal machten wir 23 4000er-Besteigungen in 23 Tagen – und fühlten uns frisch. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Unfall erwischt, aber mit 26 Jahren passierte das Unglück doch, ich verlor einen Unterschenkel und das zwang mich, vom Bergführer auf Hotelier umzusatteln. 

 

DER GASTFREUNDLICHE

1960 plante ich das Hotel Alex, fast ohne Geld. Die Krankenkasse, mit deren Geld ich rechnete, ging Konkurs. Dezember 1961 eröffneten wir erstmals, über die Weihnachtstage, bauten danach weiter um. Im Sommer öffnete ich mit einer einzigen Reservation. Da ging ich zum Bahnhof und fragte ankommende Touristen, ob sie ein Zimmer suchten. Je mehr Gäste ich so gewann, desto mehr Angestellte konnte ich mir leisten. Dann hatte ich jemanden Aussergewöhnlichen, eine Sekretärin. 

Jeden Brief, jedes Telefon machte sie zu einer Zusage. Die Gäste verliessen das Hotel zufrieden. Im Winter drauf kam sie wieder und erneut hatten wir einen extrem erfolgreichen Winter. Ich sandte ihr einen Blanko-Vertrag zu, sie hätte jeden Lohn reinschreiben können, aber Geld war für sie nicht wichtig... Im Mai 1963 heiratete ich sie, meine heutige Frau, die äusserst charmante Gisela. 

Wir bauten das Hotel ständig weiter aus, erfüllten den Gästen jeden Wunsch, Tag und Nacht. Tolle Gäste hatten wir. Sie pilgerten in Scharen zu uns. Manchmal beschäftigten wir gleichzeitig 30 Skilehrer. Zuerst waren die Gäste Amerikaner, dann Deutsche und Schweizer. Ganz Zermatt verbrachte das Nachtleben im Alex, da standen 600 Leute in sechs Reihen vor unseren vier Bars. Dann kam die Krise und wir füllten das ganze Haus mit Engländern. 

Wir hatten einfach die Leute gern. Geld war uns nicht wichtig, das kam automatisch. Der Erfolg liegt in den Details. Frau Gisela erzählt: „Ein englisches Paar besuchte uns fast 10 Jahre nicht mehr, dann kam ein Telefon aus England, ich erkannte die Stimme. Die Frau war perplex. Als sie bei uns eintrafen, hatten sie das gleiche Zimmer wie 10 Jahre zuvor, den gleichen Tisch, ihr bevorzugtes Essen. Die Frau stand hier, fing das Weinen an und meinte, das gäbe es auf der ganzen Welt nicht zweimal.“

„Gastfreundschaft ist Freundschaft, Freundschaft verpflichtet“, das war unser Motto und der einzige Satz in unserer ersten Werbe-Broschüre. Nach dem haben wir gelebt. Das spürten die Gäste. 

 

 

Werner Schnider - Postauto-Bewegter

Werner Schnider ist ein Mensch, der auf und mit den Bergen lebt. Als Junge auf der Alp, später als Kletterer, Skifahrer, Biker, erklettert er seit 25 Jahren täglich mehrere Tausend Höhenmeter mit dem Postauto.

DER SCHNEE EXPERTE

Auf meiner Strecke, die von Andeer 980 m.ü.M. bis Juf auf 2126 Meter – notabene die höchstgelegene ganzjährig bewohnte Siedlung der Alpen – führt, liegt sechs Monate im Jahr konstant Schnee, so ab Cresta (1958m) fahren wir die letzten 6 km auf Schnee.

Der erste Schnee fällt meist im Oktober, der letzte im Mai. Jeder Chauffeur ist da sein eigener Herr und Meister, entscheidet selber, wann er „chettelet“. Ketten aufziehen ist zwar nicht mehr so häufig angesagt wie früher. Das 10 Tonnen schwere Postauto ist relativ gut auf Schnee. Die Fahrzeuge sind heute mit ABS ausgerüstet, die Qualität der Reifen hat sich um Welten verbessert! Wenn, dann ist es aber eine richtige Knochenarbeit, vor allem, wenn sie bei Wind und Schnee unterwegs getan werden muss. 

Tatsache ist, dass wir täglich mehrfach mehrere Klimazonen durchqueren. Da kann unten schönstes Wetter und trocken sein. Oben aber bläst ein heftiger Wind, der hohe Schneewächten auf die Strassen türmt, so dass man fast nicht durchkommt. Wenn dann Schneefall, Wind und Schneestaub dazukommen und man den Strassenrand kaum sieht, stellen sich schon verrückt-schöne Stimmungen ein. Da weiss man dann, wieso gelb-schwarze Holzpfosten den Strassenrand markieren. Ohne die würde man blind in eine weisse Wand fahren. 

 

DER VERANTWORTUNGSVOLLE

Das schöne an unserem Job ist, dass wir dort fahren, wo Menschen Ferien machen. Wir haben viele Wanderer, Naturfreunde. Das sind meist zufriedene Gäste. Das steckt an. Manchmal lernt man wiederkehrende Touristen auch persönlich kennen. 

Wir transportieren auch viele Schüler, die gehen ab der 6. Schulklasse von den Bergdörfern Juf, Avers, Cresta, Inner- und Ausserferreira ins Schamsertal nach Zillis in die Schule (Oberstufe). Die Fahrt dauert bis zu zwei Stunden, hin und zurück. Da gehen wir keine Kompromisse ein. 
Sicherheit ist unser oberstes Prinzip. Auch die Schüler kennen wir alle persönlich, das ist alles recht angenehm. Wir müssen sie ja nicht erziehen (lacht).

Dann gibt es Skitourengruppen, 30 Personen mit Ski und Ausrüstung, die nur einige Kilometer mitfahren. Dann sind wir eine Weile am „Biigele“ (Verstauen). Da brauchts dann innere Ruhe. Aber die hat man sich nach 25 Dienstjahren von den Bergen geborgt.

 

DER BERGLER 

Es gibt noch Menschen im Avers, die den Walserdialekt sprechen. Einige ältere Menschen sprechen einen wunderschönen Walserdialekt. Bei den Jungen gibt es noch ein oder zwei, die richtig schön „walsern“. Die Averser haben einen ganz speziellen Dialekt. Es ist „erst“ 100 Jahre her, dass das Tal von Norden her erschlossen wurde. Zuvor waren die Menschen nach Süden hin Richtung Chiavenna (Italien) orientiert. Die Walser wanderten dann ja weiter bis ins Montafon. 

Wir hatten in der Familie Vieh und Bauernhof in Thusis und im Sommer unser Vieh auf der Alp im Avers. Als „Buurebueb“ erlebt man spezielle Dinge: die Geburt eines Kalbes, wie man die Kuh richtig melkt, so dass die Milch schön schaumig wird. Frischmilch schmeckt einmalig und ist die beste Diät! Die erste Milch, die eine Kuh nach dem Kalben gibt, ist das sog. Biest, daraus hat meine Mutter noch Bieschtorte gemacht. So erhält man als Bauernsohn einen natürlichen Bezug zu den Bergen. Also geht man zu Berge. Ich wandere, fahre Ski, klettere, mache Skitouren. Das ist fantastisch. Ich bin mit 60 Jahren immer noch selber ein Fan des Averstales und mache meinen Job einfach gern.

 

 

Christian Brawand - Hotelier & Bergretter

Christian Brawand, 3-facher Familienvater, führt als Hotelier die Tradition des 114 Jahre alten Familienbetriebes weiter, ist aktiver Bergretter und gleichzeitig Präsident der alpinen Rettung Bern.

 

 

DER JUNGE WILDE

Die jungen wilden Jahre ist man zunächst selber in den Bergen unterwegs. Dabei erlebte und bestand ich mit Kameraden auch einige herausfordernde Momente. Seit 2004 präsidiere ich die 1996 gegründete Alpine Rettung Bern (ARBE).

Gleichzeitig führe ich zusammen mit meiner starken Frau Vera das Hotel Kirchbühl. Da landet der Helikopter oft hinter dem Hotel und ich fliege direkt zum Einsatz. Und dann kommt es vor, dass man seine Gäste an ungewollter Stelle wiedertrifft: so stürzte ein Gast bei einer Wanderung mit dem Rücken auf ein Armierungseisen. Ich fragte ihn: „Erkennen Sie mich?“ Er antwortete: „Ja, ich glaube schon.“ Ich: „Wissen Sie, das ist kein Problem, in Grindelwald holen die Hoteliers ihre Gäste immer selber ab....“

Vor allem ist es eine mentale Herausforderung, wenn man im Büro ist und es dann im nächsten Moment am Wetterhorn auf 3‘500 Meter um Leben und Tod geht. Da gibt es glückliche und traurige Momente. Wunderschöne Abendstimmungen bei Helikopterflügen, Zufriedenheit, wenn man jemanden aus kritischer Situation befreien konnte, aber auch traurige Momente, wenn wir zu spät kommen. 

 

DER NACHDENKLICHE

Wirklich schwierig ist es, wenn man jemanden persönlich kennt. Es gibt auch Situationen, die mit dem Helikopter nicht lösbar sind. So mussten wir letzthin im Bächlital einen 90kg schweren Verletzten mit Oberschenkelbruch zu Fuss „rausholen“. Das waren 12 Stunden Fussmarsch. Wir benötigten 12 Bergführer, die sich abwechselten und zum Schluss alle am Ende ihrer Kräfte waren.

Die meisten Unfälle gibt es beim normalen Bergwandern. Nachdem das Mittel Helikopter zur Verfügung steht, wird es aber auch eingesetzt. Bei 75% der 178 Einsätze im Jahre 2012 war dies der Fall. Da sparen wir enorm viel Zeit. Das kann einem Chirurgen, dessen Hand sein Arbeitsinstrument ist, die Zukunft sichern. Auch Heilungsprozesse können um mehrere Wochen verkürzt werden. Beides spart der Gesellschaft viel Folgegeld.

 

DER BEGEISTERTE

Die Bergrettung ist heute auf einem extrem hohen Niveau. Sanitäter, Ärzte und Bergretter sind allzeit bereit, auf 24-Stunden-Pikett. Die REGA hat 20 Millionen in ein perfektes Funknetz investiert. Theoretisch kann ich mit einem Bergretter im Bergell kommunizieren. 

Inzwischen sind sogar Rettungen in der Nacht möglich. Da ist die Schweiz einzigartig. Bei guten Wetterverhältnissen holten wir schon Bergsteiger mitten in der Nacht aus der Eiger-Nordwand! Der Pilot fliegt dabei mit Nachtsichtgerät und Scheinwerfer.

Dank dem IFR kann der moderne REGA-Helikopter mit Instrumentenflug auch bei dichtem Nebel punktgenau auf dem Inselspital landen. Bei einem Hirn-Schädel-Trauma, wo jede Sekunde zählt, kann das Leben retten. 

 

 

Hans Peter Danuser - Bergbotschafter

Kaum jemand hat in den letzten 35 Jahren das Image und die Entwicklung eines alpinen Tourismusortes so stark geprägt wie Hans Peter Danuser, gut 30 Jahre lang Kurdirektor von St. Moritz. Hier Auszüge aus einem Interview mit dem Vollblut-Touristiker.

 

DER ALPHORNSPIELER

Zu Zeiten des Söldnerwesens war das Alphornspiel im Ausland verboten, weil es bei Schweizer Truppen Heimweh weckte und zur Desertion verlockte. So kam es, dass sich vor 200 Jahren beim ersten Unspunnenfest gerade noch zwei Bläser zum Auftritt fanden. Heute gilt das 3,5 Meter lange Alphorn als Schweizer Nationalinstrument, und es gibt wieder mehr als 4’000 Bläserinnen und -Bläser.

Alphorntöne klingen bis acht Kilometer weit und haben eine beruhigende Wirkung. Danuser: „Abends riefen die Alphirten mit dem Alphorn ihre Kühe zusammen. Das hat auch in Texas funktioniert. 

Wie ich zum Alphornspielen kam? Auf einer Promotionsreise reichte wieder mal das Budget nicht, und so hiess es, der jüngste lernt Alphornspielen. Ich beherrschte grad mal fünf Töne, als ich in die USA flog und die Schweiz mit dem Alphorn präsentierte. Der Auftritt mit dem Alphorn zog ein solches Medienecho nach sich, dass mir schnell klar wurde: Das Alphorn beschert eine einmalige Aufmerksamkeit und tollen Goodwill. Das Image des langweiligen, ernsten Schweizers ist sofort vergessen! Und es lassen sich viele Geschichten erzählen. So kam es, dass mich das Alphorn auf fast allen Auslandsreisen begleitete, mithin zu einigen Hundert Auftritten.“

Danuser weiter: „Das Alphorn hat alle Eigenschaften einer starken Marke: Es ist in Form und Ton einzigartig und unverwechselbar. Es ist echt und authentisch, gewinnt sofort Aufmerksamkeit und unterscheidet sich von allen anderen Instrumenten. Es ist emotional und bleibt positiv in Erinnerung.“

 

DER DIREKTOR

„Genauso einzigartig bauten wir das Image von St. Moritz auf. Fast ohne Geld realisierten wir eine globale Marke! Basis dafür war Kontinuität. In 80 Jahren gab es nur drei Kurdirektoren! Und jeder baute auf der Arbeit des Vorgängers auf.

Ich konnte die Sonne als Brand übernehmen. Die Sonne ist ein starkes Symbol, das jeder versteht. Sie steht für Licht, Wärme, Gesundheit. Der Schriftzug ist dynamisch und optimistisch. Eine Graphologin titelte: „Mit jemandem, der so unterschreibt, will eine Frau in die Ferien reisen.“

Starke Brands brauchen wegen dem internationalen Rechtsschutz einen Claim, also schufen wir: St. Moritz – Top of the World. Als wir 1985 den Ortsnamen St.Moritz als Marke schützen liessen, reagierte die Branche mit Kopfschütteln. Es war aber genau diese Innovation, die uns auf die Titelseite des Wall Street Journals brachte. Heute ist die Marke selber zum Mekka der Prestige-Marken geworden. Und: Alleine mit dem Markenschutz erzielte St. Moritz im Laufe von 25 Jahren rund 10 Millionen Franken Lizenzeinnahmen. 

Diese Mittel brachten uns als Organisation neben Markenschutz vor allem auch Unabhängigkeit von lokalen oder kurzsichtigen Ansprüchen. Wir konnten langfristige Perspektiven verfolgen. 

 

DER WEISE

Was sich verändert hat? Der Wintersport hat an Sex-Appeal verloren. Mit der Zeit wurden grössere Einheiten gebildet, was dazu führt, dass Profile eher verwässert werden. 

Das Engadin ist inspirierend, St. Moritz schillernd, so die Aussage an einer Pressekonferenz letzthin. Das ist für die Menschen nicht konkret und klar genug.

Das Marketing ist ent-personifiziert. 

Marken brauchen aber Gesichter. Dazu kommt ein Innovationsmanko. Organisationen sollten täglich im Kontakt mit dem Markt, also auch den Menschen sein. Diese wandeln sich. Heute fehlt entweder die Zeit oder der Mut, etwas als Trendsetter zu lancieren und konsequent durchzuziehen. Stattdessen wird Energie in Machbarkeitsstudien investiert. Es reicht nicht, die Pioniere von anno dazumal ins rechte Licht zu rücken. Wir brauchen neue Pioniere, mutige Macher mit Kontinuität. 

 

 

SAC Hüttenzauber I Jenatschhütte

Im Gespräch mit Claudia Drilling, Hüttenwartin


Wir sind die höchstgelegene SAC-Hütte im Bündnerland– mit vielen Möglichkeiten. Der Winter ist unsere Hochsaison.

Gast-Geber-Sein
Weil wir so abgelegen sind, müssen wir unternehmerisch immer wieder Anreize schaffen. So haben wir ein Mitarbeiter- und das Hüttenwart-Zimmer zu Gäste-Doppelzimmern um‑ --gebaut. Das findet enorm starken Anklang. Ungewöhnlich für eine SAC-Hütte. Die Leute bleiben dadurch länger. Geben ein wenig mehr Geld aus, geniessen, sind zufriedener.
Die Gäste sind unsere Hauptmotivation. Uns geht’s ja oft so, dass man im Alltag keinen Ausweg sieht, dass man von Terminen, Wünschen und Forderungen wie erdrückt wird und am Wochenende aufzuholen versucht, was unter der Woche nicht bewältigt wurde. Wenn man mit den Leuten spricht, weiss man oft nach fünf Minuten, was sie bewegt. Es kommen Menschen zu uns, die fragen, ob sie was helfen können. Gerade Kopf-Menschen schätzen es, mal ganz einfache Dinge zu tun. Seither machen wir mit den Gästen den Abwasch gemeinsam.

Handy-los
Wir versuchen, den Menschen eine Auszeit zu gönnen, damit sie wirklich abschalten können.
Ideal dafür: wir haben keinen Handy-Empfang. Notfälle können an unserem Computer via W-Lan geregelt werden, das geben wir aber nicht an die Gäste. Da schauen uns die Leute zuerst schräg an. Aber bald merken die Menschen, dass sie ohne Handy nichts verpassen und beginnen loszulassen.
Mir ist es ja selber so ergangen. Ich war als Architektin selbständig, da arbeitet man zu Hause, von morgens bis abends, ist übermotiviert. Die Rolläden sind als Blendschutz runtergelassen. Am Schluss wusste ich vor lauter Arbeit nicht mehr, ob es draussen regnet oder die Sonne scheint. Auf den Baustellen ist man am Kontrollieren, Probleme lösen. Selten erhält man Lob oder Wertschätzung. Dann fragt man sich mit der Zeit: war’s das?

Ver-rückt
Dann habe ich ein 6-Wochen-Praktikum in einer Hütte absolviert, bin begeistert zurückgekehrt, wurde vom Alltag wieder eingeholt. Mein Mann als Sohn eines Wildhüters, hat von klein auf den Bezug zu den Bergen. So haben wir diskutiert, wieso wir uns nicht eine Veränderung gönnen. Heute denken wir, dass es schon ein wenig verrückt ist, was wir gewagt haben. Seit sieben Jahren fahren wir beruflich nun zweigleisig, d.h. in der Zwischensaison sind wir noch als Architektin/Bauleiter tätig. Das möchten wir aber reduzieren.
Auch in der Hütte arbeitet man im 24h-Betriebsmodus, da braucht man sich gar keine Illusionen machen, aber man hat eine Vielfältigkeit und Abwechslung, wie sie nur wenige Berufe bieten. Am eindrücklichsten ist die Unabhängigkeit. Es hängt wirklich von einem selber ab, was man daraus macht. Man hat den unmittelbaren und sehr oft positiven Feedback der Gäste.

Sau(na)-glücklich
Ein sehr kalter Winter hat uns auf die Idee gebracht, den Holzschopf mit – dem dank Handabwaschen überflüssigen – Benzingenerator zu einer Sauna umzubauen. Den Umbau haben wir selber durchgeführt, gut isoliert, damit wir wenig Brennmaterial benötigen. Duschen haben wir keine, aber jetzt eine Sauna für sechs Personen (lacht). Das kommt super an. 2014 sind wir dann auch dem Warmwasserproblem mit Solartechnologie zu Leibe gerückt. Die Hochschule Rapperswil hat für uns eine Bachelorarbeit gemacht. Innert weniger Monate haben sich 200 Sponsoren, fast ausnahmslos Hüttengäste, gefunden, welche die CHF 100‘000 teure PV- und Solaranlage finanzierten. Auch die Installationsfirma hat sofort mitgemacht. Wir waren echt platt ob der tollen Unterstützung. Solche Erlebnisse sind einmalig. Genauso wie das junge Ehepaar, deren erstes Kind beim ersten gemeinsamen Aufenthalt im neuen Gästezimmer gezeugt wurde. Kleines grosses Zeichen dafür, dass sich die Menschen hier wohlfühlen (lacht).

Hüttenwart: Claudia Drilling und Fridolin Vögeli | Lage: 2652m, GR | Zustieg: 3-4h, Julierpass
Tel. 081 833 29 29 | www.chamannajenatsch.ch | x 775350 y 155660

 

 

SAC Hüttenzauber II Spitzm,eilenhütte

Im Gespräch mit dem
Hüttenteam:
Anna-Barbara Kayser
und Paul Buchmann.

Anna-Barbara
Schon mein Vater war Hüttenchef der Sektion, dadurch kam ich früh in Kontakt, habe als Mädchen bereits Decken ausgeschüttelt. Das Hüttenwartsleben hat sich seitdem stark verändert. Früher hat man einen Knorr-Suppenbeutel mitgebracht und der Hüttenwart hat diesen mit Wasser aufgekocht. Vor meinem Hüttenleben war ich (gerne) als Primarschullehrerin tätig. Nach den Schulreformen war mein Engagement aber nicht mehr so gefragt, dazu kam die Ermüdung durch das Pädagogendasein. In diese Zeit fiel der Entscheid, einen Hüttenwartskurs zu machen, das sind fünf Module zu je drei Tagen. Dann kam Paul ins Spiel...

Paul
Ich war immer in der Freizeitbranche tätig, zuerst bei Eurotrek, danach fuhr ich als Invia GmbH 10 Jahre lang Gäste den „Bach runter“, wir boten Kanu-Flussfahrten an. Parallel war ich Gleitschirm-Pilot und Carfahrer – und jobbte eine Saison in einer SAC-Hütte. Das fand ich einen „Scheiss-Job“, wo man täglich 15 Stunden malocht. Aber als Hüttenwart, dachte ich, läge es ja an mir, die Hütte so zu organisieren, dass man nicht so arbeitet. Da kam Anna-Barbara ins Spiel...

Wo es vorher mit Hüttenwarts-Bewerbungen nie klappte, ging es nun rasend schnell. Innert Monatsfrist hatten wir zusammen die Spitzmeilenhütte, mit knapp 50 Schlafplätzen. Zuerst lernt man „schwimmen“, beginnt mit 120-140% Personal. Nach drei Jahren sind wir auf 250%. Auch die Besucherzahlen wachsen stetig! Das ist eine Gratwanderung zwischen Finanzen, Personal, Fix- und Temporärangestellten. 

Sämi & Bébé
Die Spitzmeilenhütte ist aus Bergsteigersicht eine Voralpenhütte mit einer breiten Gästeschar. Für die einen sind wir nach dem Neubau vor sieben Jahren keine richtige SAC-Hütte mehr, andere erwarten hier ein Hotel. Wir haben 4er, 6er und 8er Zimmer. Die kleinen Zimmer sind meist den Familien vorbehalten, von denen viele zu uns kommen, da wir leicht erreichbar sind. Un dann gibts auch dies: Eine Frau konnte sich partout nicht vorstellen, mit „fremden“ Menschen im gleichen Zimmer zu schlafen. Die sind vor Anbruch der Nacht wieder umgekehrt.
Das Positive überwiegt aber. Das Leben in den Bergen in Kombination mit der Vielseitigkeit des  Gastgeberseins ist eine Top-Motivation.
Und dann gibt es Highlights wie diese: dr Sämi, der als 90-Jähriger mit „bluttem“ Oberkörper und Lederrucksack (wie mein Grossvater) bei uns eintrudelt und dann mit einem neun Monate alten Kleinkind rumalbert, einfach unvergesslich. An diesem Tag hat die Seraina im Rahmen eines Jugendprogramms bei uns gearbeitet. Ein herrlicher Sommerabend, die Gäste sassen weitherum verstreut auf den Alpwiesen und Seraina entschied spontan, das Dessert zu den Gästen auf den Alpwiesen zu bringen. Sämi, dies beobachtend, meinte daraufhin „Das was die Seraina hier macht, was ihr als Team ihr mitgebt, prägt sie fürs Leben; das ist so bestärkend und dermassen wertvoll für einen jungen Menschen, schlicht super“.
Das hat mich tief berührt. Das sind Erlebnisse, die man sich nirgends kaufen kann.


Hüttenwart: Anna-Barbara Kayser, Paul Buchmann | Lage: 2087m, SG | Zustieg: 2,5h, Flumserberge
Tel. 081 733 22 32 | www.spitzmeilenhuette.ch | x 737710 y 210840

 

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